Autor: Sandra Buchmüller

Gender und Design in Aktion: Rückblick zur Jahrestagung iGDN 2016

Vom 30.11.2016 bis 1. 12.2016 fand die iGDN-Jahrestagung an der TU Chemnitz statt. Gastgeber war dieses Mal die dort ansässige und vom BMBF geförderte Nachwuchsforschungsgruppe Miteinander, dessen Ziel und Aufgabe es ist, gemeinsam mit Nutzer_innen bedarfs- und alltagsgerechte Anwendungen für das »Internet of Things« (IoT) zu entwickeln. In Kooperation mit dem iGDN haben sich gut 60 Teilnehmer_innen in vier Workshops dem Geschlechteraspekt aus unterschiedlichen Blickwinkeln – aus der Perspektive der Designforschung, der User Experience, des demografischen Wandels oder der Demokratisierung von Technologie – genähert. Die Diskussionen gingen jedoch weit über diese Themen hinaus. Gemeinsame Überlegungen, wie man in der Technologieentwicklung Geschlechterklischees vermeiden kann, wie die bestehende Geschlechterbinarität überwunden werden kann sowie über die Möglichkeiten, der Ungleichverteilung geschlechterbezogener Definitions- und Handlungsmacht in der Forschung und  Nutzung entgegenzuwirken, führten zu grundlegenden Fragestellungen im Umgang mit Vielfalt – nicht nur im Hinblick auf weitere soziale Kategorien, sondern auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen. Das zeigten die Ergebnisse aus den einzelnen Workshops, die am zweiten Tag vor allen Teilnehmenden präsentiert und anschließend gemeinsam diskutiert wurden. Im Workshop …

Making Unspeakable Things Speakable and Visible

– Laurie Penny Rethinks and Rewrites the (Gender) World A queer-feminist activist and writer, Laurie Penny lends new glamour to feminism! Young, slender, witty and bold – that’s how Laurie Penny came across during her appearance at Lit.Cologne, one of Europe’s biggest literature festivals. The sold-out event at Cologne’s Volksbühne theatre did not so much focus on her incisive book Unspeakable Things: Sex, Lies and Revolution, but rather on her short stories, which feature protagonists from whom she usually distances herself: representatives of white, academic, middle-class feminism. An SF and card-carrying Star Trek fan, Penny uses her imagination to liberate her dreams from the confines of traditional gender concepts and to create a different world. In so doing, as a side effect, she also supports the new image and the changing gender ratios in engineering or technology-focused design disciplines: the protagonists in her short story Making Babies, the German translation of which was read by actress Katharina Schmalenberg, are Annie and Simon, a couple trying to come to grips with their new role as parents. …

Unsagbare Dinge sagbar und sichtbar machen

– Laurie Penny denkt und schreibt die (Geschlechter-)Welt neu Laurie Penny – queer-feministische Polit-Aktivistin und Autorin – verleiht dem Feminismus neuen Glamour! Jung, zart, witzig und unerschrocken konnte man sie anlässlich der Lit.Cologne live erleben. In der ausverkauften Volksbühne am Rudolfplatz, wie das ehemalige Millowitsch-Theater nun heißt, standen jedoch nicht ihre Kampfschrift Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution, sondern ihre Geschichten im Zentrum der Aufmerksamkeit – wenn auch derjenigen, von denen sie sich eigentlich distanziert: Vertreter_innen des weißen, akademischen Mittelstands-Feminismus. Als Science-Fiction-Liebhaberin und bekennender Star Trek-Fan nutzt sie ihre Fantasie, um ihre Träume aus den Zügeln des Geschlechterkorsetts zu befreien und eine andere Welt zu entwerfen. Auf diese Weise unterstützt sie nebenbei auch den Image- und Geschlechterwechsel ingenieurs- bzw. technikorientierter Gestaltungsdisziplinen und zwar so: Die Hauptfiguren in ihrer Geschichte „Babies machen“, die von der Schauspielerin Katharina Schmalenberg vorgelesen wurde, sind Annie und Simon – ein Paar, dass sich gerade in seiner neuen Rolle als Eltern einzurichten versucht. Die Identifikation mit der Vaterrolle will Simon jedoch nicht so recht gelingen und das hat folgenden Grund: Annie …

Von Technikmuseen, selbststeuernden Autos, Rollatoren, Prothesen, Wollmäusen und Pflegerobotern

Bericht zur 6. Jahrestagung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien zum Thema: „Materialität/en und Geschlecht“ am 12. und 13. Februar 2016 in Berlin Die 6. Jahrestagung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien (FG), die vom Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien (ZtG) der Humboldt-Universität zu Berlin veranstaltet wurde, versammelte unter dem Titel „Materialität/en und Geschlecht“ Vorträge aus ganz unterschiedlichen Disziplinen. Diese rückten geschlechtlichen Verkörperungen – beispielsweise in der Epigenetik, der Informatik, Robotik, im Maschinenbau, im Museum, in der Literatur und im Alltag – auf unterschiedlichste Art zu Leibe oder stellten die Theoriedebatte der „New Materialism“ ins Zentrum der Auseinandersetzung. Mit mehr als 370 Teilnehmer_innen wurden die Erwartungen der Organisator_innen weit übertroffen sowie auch die räumlichen Gegebenheiten im Hauptgebäude der Humboldt-Universität vor logistische Herausforderungen gestellt: Die Eröffnungsveranstaltung wurde beispielsweise kurzfristig in den großen Hörsaal verlegt. Der „New Materialism“ kann als neues Paradigma in der feministischen Theorieentwicklung verstanden werden. Aus der Kritik an der diskurstheoretischen Auflösung jedweder Verkörperungen in (Sprach-)Symbolik rückt er die Materialität in den Fokus – nicht nur sozialwissenschaftlicher – Betrachtungen. Aus diesem Grunde ist er auch für Gestaltungsdisziplinen relevant, die zentral an …