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»notamuse«– iphiGenia »Volition« winners interview

notamuse: Gewinnerinnen des iphiGenia »volition« Awards 2018 Der international Gender Design Award iphiGenia »Volition« geht an »notamuse«: Das Online-Projekt stellt Grafikdesignerinnen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit um sie in der Designöffentlichkeit sichtbar zu machen.

Wir wollten mehr über die Arbeit und die Ideen zum Gender und Design unserer jungen iphiGenia »Volition« Gewinnerinnen wissen. Hier unsere Fragen:

1. Wie haben Sie Drei sich a. zusammengefunden, um b. genau dieses Thema zu bearbeiten?

Wir haben uns während eines Design-Masters an der HAW Hamburg kennengelernt. Das Thema »Frauen im Grafikdesign« hat uns alle drei – aufgrund sehr unterschiedlicher Motivationen – schon lange beschäftigt. Zu wenige weibliche Vorbilder im Grafikdesign, eine lückenhafte Design-Geschichtsschreibung, unausgewogene Sprecher_innenzahlen auf Konferenzen oder sexistische Erfahrungen im Arbeitskontext sind nur ein paar Punkte, die in diesem Zusammenhang genannt werden können. Auf der Suche nach einem Masterthema beschlossen wir dann, die Thematik anzugehen und ein Projekt zu starten, das langfristig ein Bewusstsein schafft. Dabei geht der angelegte Rahmen weit über eine Masterarbeit hinaus und wir arbeiten noch lange nach dem Abschluss an dem Projekt.

2. notamuse: da stecken sowohl die Muse als auch das „not amused“ drin – was hat es mit dem Titel auf sich?

Auf den Titel stießen wir während einer Vorlesung. Unser Professor zweifelte an der Relevanz der Thematik »Frauen im Grafikdesign«, verwies auf die Muse im historischen Kontext und dass der Feminismus doch all seine Ziele erreicht hätte. Diese ignorante Stellungnahme galt es zu widerlegen: anders als die Muse, die in ihrer historischen Bedeutung (überwiegend) männliche Künstler inspiriert, schaffen wir lieber selbst. Das übersetzt der Name: eben keine Muse, not a muse. Diesem Titel liegt der gängige Ausdruck »not amused« nahe – auch er beschreibt, was wir mit unserem Projekt transportieren wollen: Wir sind verärgert und unzufrieden mit der vorherrschenden Geschlechterungleichheit im Designdiskurs.

3. Sie haben bewusst nur Designerinnen präsentiert. Denken Sie, dass auch männliche Designer gender-sensibel arbeiten können?

In einer für uns idealen Vorstellung herrscht ein ausgewogenes Gleichgewicht aller Geschlechter – sowohl im Design als auch in allen anderen Lebensbereichen. Ein Buch, das ausschließlich Frauen präsentiert, widerspricht dieser Vorstellung. Der aktuelle Designdiskurs aber ist überwiegend männlich dominiert, weswegen wir diese »unfaire« Geste trotzdem als nötig erachten, um überhaupt ein Bewusstsein für die Thematik zu schaffen. Das schließt natürlich nicht aus, dass männliche Designer gender-sensibel arbeiten können. Ganz im Gegenteil: wir glauben, dass nur eine Beteiligung aller Geschlechter am Diskurs zu einem echten Gleichgewicht beitragen kann.

4. Haben Sie schon Reaktionen auf Ihre Arbeit erhalten? Falls ja, welche: positive/negative?

Es gibt die berechtigte Kritik, dass wir das Projekt aus einer sehr subjektiven Sicht angegangen sind: das Buch und die Website stellen überwiegend weiße Frauen aus Europa vor. Gerne wären wir das Projekt größer, weiter und umfassender angegangen, was in unserem Rahmen aber leider schlichtweg nicht möglich war. »notamuse« ist eine Initiative, mit der wir kein Geld verdienen und an der wir neben Job und Studium arbeiten. Das meiste Feedback, das wir erhalten, ist aber durchweg positiv: von Designerinnen, die sich verstanden fühlen, von Studierenden, die notamuse zu weiteren Projekten zum Thema angeregt hat, von Institutionen, die uns zu Vorträgen einladen oder auch von einem Verlag, der das Buch im Februar veröffentlichen wird.

Danke „notamuse“ für eine wunderbare Antwort auf unseren männlich dominierten Design Diskurs: mit einer excellent gestalteten Publikation, die die bislang fehlende weibliche Perspektive kommuniziert. So präsentiert sie eindrücklich die Grafikdesignerinnen als einflussreiche Akteurinnen.
www.notamuse.de

Der iphiGenia Gender Design Award in der Kategorie »Volition« wird an „notamuse“ vergeben.  Die feierliche Preisverleihung findet statt am 08. November 2018 ab 19 Uhr im Museum für Angewandte Kunst Köln / MAKK.

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