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Unsagbare Dinge sagbar und sichtbar machen

– Laurie Penny denkt und schreibt die (Geschlechter-)Welt neu

Laurie Penny – queer-feministische Polit-Aktivistin und Autorin – verleiht dem Feminismus neuen Glamour!
Jung, zart, witzig und unerschrocken konnte man sie anlässlich der Lit.Cologne live erleben. In der ausverkauften Volksbühne am Rudolfplatz, wie das ehemalige Millowitsch-Theater nun heißt, standen jedoch nicht ihre Kampfschrift Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution, sondern ihre Geschichten im Zentrum der Aufmerksamkeit – wenn auch derjenigen, von denen sie sich eigentlich distanziert: Vertreter_innen des weißen, akademischen Mittelstands-Feminismus.

Als Science-Fiction-Liebhaberin und bekennender Star Trek-Fan nutzt sie ihre Fantasie, um ihre Träume aus den Zügeln des Geschlechterkorsetts zu befreien und eine andere Welt zu entwerfen. Auf diese Weise unterstützt sie nebenbei auch den Image- und Geschlechterwechsel ingenieurs- bzw. technikorientierter Gestaltungsdisziplinen und zwar so: Die Hauptfiguren in ihrer Geschichte „Babies machen“, die von der Schauspielerin Katharina Schmalenberg vorgelesen wurde, sind Annie und Simon – ein Paar, dass sich gerade in seiner neuen Rolle als Eltern einzurichten versucht. Die Identifikation mit der Vaterrolle will Simon jedoch nicht so recht gelingen und das hat folgenden Grund: Annie ist Robotikingenieurin und bei dem vermeintlich gemeinsamen Sohn Tommy handelt es sich um ein von ihr erschaffenes, mit hübschen Glasfaserlocken ausgestattetes Baby, das nach regulären Entwicklungs- und Wachstumszyklen und entsprechenden Verhaltensweisen programmiert ist. Der Vorteil gegenüber anderen Babies liegt klar auf der Hand: Es lässt sich ausschalten, wenn man sich beispielsweise mal wieder ungestört der sexuellen Lust hingeben möchte. Insofern bietet Tommy jungen Eltern das, was ihnen durch ihre neue Rolle oft längere Zeit genommen wird: Sich als Paar zu erleben.

Laurie Penny löst mit ihren unterschiedlichen Texten – von der politischen Kampfschrift über Prosa bis Science Fiction – somit das ein, was die Wissenschaftshistorikerin und Biologin Donna Haraway bereits in den 1990er Jahren für die  Wissensproduktion einforderte: Eine Überschreitung von Genre-Grenzen zur „Neuerfindung der Natur“ im Sinne der Herstellung „lebbarer Welten“ für sämtliche Wesen – menschliche, nicht-menschliche, Cyborgs. Angeregt von diesen Überlegungen fragte ich mich im Anschluss an die Lesung: Wie können wir uns als Gestalter_innen daran beteiligen, unsagbare Dinge sagbar und im Dienste von Geschlechter-/Gerechtigkeit und Vielfalt sichtbar zu machen? Da erinnerte ich mich an eine App, die auf der Website der Page vorgestellt wurde und so was in gewissen Weise tut: Der Waffenrechner, entwickelt von der Studentin Alisa Ceh von der ecosign – Akademie für Gestaltung in Köln, illustriert, wie viel meines Geldes in die Einkäufe der Bundeswehr fließt und wie man dadurch die Flüchtlingshilfe unterstützen könnte: http://page-online.de/kreation/waffenrechner-fluechtlingshilfe-statt-panzer/

 

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